Alex Flemming Presse-Text Verena Richter "Körper und Konflikte" in der Galerie Jaspers vom 11.11.-11.12.2004
Auf dem Rücken anderer Konflikte austragen - dieser Gedanke taucht auf, wenn man Alex Flemmings Bild "Zehntausende Flüchtlinge" betrachtet. Es zeigt eine nackte Frau, auf deren Rücken eine Landkarte zu sehen ist, die den Krieg in Bosnien anhand von Pfeilen, Flugzeugen und gekennzeichneten Landesgrenzen illustriert. Diese Arbeit des brasilianischen Künstlers gehört zu der Serie "Bodybuilders" aus dem Jahre 2001, die ab 11. November in der Galerie Jaspers zu sehen ist.

In "Bodybuilders" sind durchtrainierte Körper junger Männer und Frauen Unterlagen für Karten von Kriegsgebieten. Auf flachen Bäuchen und knackigen Hintern wird die Welt zerstört. Der Tod zeichnet sich ab im jungen, blühenden Leben. Der Körper wird zum Hoheitsgebiet, zum Austragungsort von Kämpfen, wird zum Opfer des Kräftemessens der Politiker.

Alex Flemming, 1954 in Sao Paulo, Brasilien, geboren, entdeckte schon früh seine Neugierde auf andere Länder und seine Reiseleidenschaft. Zusammen mit den Eltern - der Vater arbeitete als Pilot, die Mutter als Flugbegleiterin - flog er durch die Welt, lebte in Florida und New York. 1986 ging er nach Ost-Berlin. Er wollte die DDR, den Kommunismus, wie er dort gelebt wurde, kennen lernen —kehrte jedoch ein halbes Jahr später enttäuscht nach Brasilien zurück. Erst 1992 zog es ihn wieder in die deutsche Hauptstadt. Seitdem lebt und arbeitet er am Prenzlauer Berg.

In seinen Arbeiten bedient sich Alex Flemming einer großen Bandbreite künstlerischer Medien: Schrift, Malerei, Skulptur, Fotografie, Copy-Art und Computerkunst. Als Bildträger dienen unter anderem Papier, Stoff, Glas. Für Furore sorgte er, als er die Haut von ausgestopften Tieren künstlerisch bearbeitete und mit Acryl bemalte.
Das eigentliche Hauptmotiv der Bilder: Der Mensch und seine Verstrickung in persönliche, ethnische, kulturelle und politische Probleme.

Seine Kunstwerke erzählen vom Leben, vom Tod und von einer spirituellen Kraft: Wir fangen an zu sterben, sobald wir geboren worden sind. Wir nähern uns mit jedem Tag unseres Lebens dem Tod und so auch dem Geheimnis, durch welches das Leben und der Tod schließlich überwunden werden.

Seine Arbeiten sind bereits mehrfach ausgezeichnet worden und hängen unter anderem in wichtigen Museen in Sao Paulo, Rio de Janeiro, Havanna, Washington, Birmingham, Berlin, Lissabon.

Weitere berühmte Arbeiten von Alex Flemming:

»Um ritual de passagem«, 1990: Eine viel diskutierte Installation im Museu de Arte de Sao Paulo. Blau bemalte Stierköpfe flankieren die Treppe zu den Ausstellungsräumen. Sie stehen auf Eimern Spalier. Das künstliche Leben als eine Möglichkeit eines Lebens nach dem Tod.
Die Serie »Camisa« 1997: Bemalte Kleidungsstücke, die der Künstler während seiner ersten Zeit in Berlin trug. Darauf stehen Worte wie Einsamkeit, Ärger etc. Eben die Gefühle, mit denen er damals zu kämpfen hatte.
Die Serie »Sofas«, 1997: Der Mensch bleibt Flemmings Hauptthema, selbst wenn man ihn in den Bildern und Installationen nicht immer sieht. So auch hier: Die unbenutzten, mit Acryl bemalten Möbel stehen für Einsamkeit. Auf den Stühlen und Sofas stehen Alltagsphrasen aus Zeitungen. Nicht immer kann man die Worte entziffern. Vielmehr dienen sie dem Künstler oft als Codierung des eigentlichen Inhalts.
- »Estacao Sumare« da Companhia Metropolitano de Sao Paulo, 1998: Die ständige Installation in der Metro-Station Sumaré in São Paulo zeigt überdimensionale Porträts von Passanten, die Alex Flemming in ihrem Alltag fotografiert hat. Sie blicken von Glasplatten, die den Bahnsteig in Form einer langen Wand säumen. Die Gesichter wirken unpersönlich, verschlossen, unnahbar. Sie stehen für das anonyme Individuum in der Großstadt. Nur die Verse, die der Künstler über die Porträts projiziert hat, hauchen den Menschen Leben ein.






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"Zehntausend Flüchtlinge", 2001, Acryl auf PVC, 154 x 202 cm
"Georgien", 2003, Acryl auf PVC, 154 x 202 cm
"Israel", 2003, Acryl auf PVC, 154 x 202 cm
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