M I C H A E L J A S P E R S G A L L E R Y
Bilder DEPOT · art DEPOT · Jean-Charles BLAIS

Jean-Charles Blais ist Anfang der 80er Jahre als der junge französische Künstler bekannt geworden, der abgerissene Plakate bemalt. Durch seine Wahl des Bildträgers, also durch sein Recycling von großstädtischem Kommunikationsmüll, stellt sich die Frage von Negation oder Akzeptanz von etwas Vorgefundenem. Damit steht Blais in der "Tradition" der Décollagisten.

Vielmehr jedoch fasziniert seine Malerei: Expressiv, spontan, subjektiv, rückt sie in die Nähe der Nouvelle Figuration oder der Neuen Wilden. Blais malt kompakte, massige Figuren und Gegenstände, deren Monumentalität durch die materielle Qualität des Bildträgers, nämlich Plakatriß, unterstrichen wird. Außerdem scheinen seine Formen durch die unregelmäßigen Abrißränder definiert zu sein, und doch streben sie danach, diese Grenzen zu sprengen oder aus ihnen zu fliehen. Blais´ Figuren scheinen einen Ewigkeitsanspruch zu formulieren, der mit den Assoziationen zu dem von ihm gewählten Bildträger in einem paradoxen Verhältnis steht.

Auch Blais´ Motive sind dem ganz normalen Alltag entnommen: Häuser, Fabrikschlote, Bäume, Blätter, immer monumental übersteigert. Immer wieder auch tauchen in seinen Bildern Kolosse von Menschen auf. Zunächst haben sie keine Köpfe, später erkennt der Betrachtende zwar Köpfe, aber keine Gesichter (diese sind hinter Händen oder Rauch verborgen oder einfach vom Betrachtenden abgewandt).

Es sind monumentale Archetypen menschlichen Wesens und Seins, die Blais malt, nicht aber Individuen mit einer eigenen Geschichte - die Möglichkeit einer psychologisierenden Interpretation wird dem Betrachtenden verweigert. Oder ist es vielmehr so, daß der Künstler die Figuren von der Last, eine Botschaft zu tragen, befreit hat? Blais´ menschliche Figuren sind nicht als Personen zu lesen, sie sind Formen, die immer wieder mit anderen Formen zu neuen Bildern kombiniert werden

Bereits bei seiner ersten Ausstellung in Deutschland (1985 in Düsseldorf) wurde eine Entwicklung deutlich, die sich bis heute fortsetzt: Seine monumentalen Figuren wurden zu massig für ihre Formate - Blais begann, die Körper zu fragmentarisieren. Doch erneut konnte er seine riesigen Füße und Hände kaum in den Bildflächen unterbringen. Konsequent reduzierte und fragmentarisierte er Körper auf die reine Form.

Eine Rückenansicht beispielsweise bleibt ohne jeden identifikatorischen Zusammenhang als "Rücken" unverständlich - Blais stellt sie als autonome Form vor. Durch die Reduzierung auf die Form verselbständigt sich diese zur Bedeutungslosigkeit, sie wird nurmehr in den Dienst von Kompositionsvarianten gestellt.

Parallel zu dieser Entwicklung in der Malerei reduziert Blais auch in seinen Zeichnungen und druckgraphischen Arbeiten Figuren und Gegenstände auf Fragmente, auf autonome Formen. Darüberhinaus experimentiert er mit unterschiedlichsten Druckträgern (Plakate, Zeichenblock, Steine, Holz, wiederverwertete Einwegbinden) und Formaten

(von Postkartengröße zu 4 x 4 Meter). Immer steht dabei die Form im Vordergrund:

Von expressiven und narrativen Archetypen menschlichen Wesens hin zu autonomen Formen, bei denen der Unterschied von Gegenständlichem und Ungegenständlichem keine Rolle mehr spielt. Blais sagte dazu 1989 in einem Interview mit Alain Mousseigne:

"Ich glaube nicht, daß es einen Hintergrund und eine Gestalt gibt."

Silke Feldhoff, 8/96

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